Baudirekt

 

Da viele Interessierte gerne Erfahrungen über Baudirekt und den Ablauf haben möchten, schreibe ich hier diese Dinge einmal zusammen. Hoffe es hilft dem ein oder anderen.

Angebotsphase

Die Angebotsphase hat bei uns sehr lange gedauert, da wir zwischendrin das Grundstück gewechselt hatten. Zu einer Architekturbesprechung mit dem Grundstücksvermarkter ist unser Baudirekt Vertriebler sogar mitgekommen. Sehr guter Service, denn schließlich hatten wir zu dem Zeitpunkt noch gar nichts unterschrieben. Der einzige Wermutstropfen war, dass Anfragen nicht gerade schnell beantwortet wurden. Wenn es nach Geschwindigkeit in der Angebotsphase ginge, müssten wir wohl eine andere Baufirma wählen, jedoch waren wir im großen und ganzen mit der Betreuung während des Angebots aber zufrieden. Insgesamt gab es mehrere Gespräche mit bereits ersten Architektenzeichnungen. Sogar einen Termin mit dem Architekturbüro haben wir bekommen um unser Haus nach unseren Wünschen zu planen. Das Besondere: Wir hatten zu dem Zeitpunkt noch nichts unterschrieben. Von anderen habe ich aber gehört, dass das kein Standard ist, auch bei Baudirekt nicht.
 

Finale Planung

Nach der Unterschrift wurden sehr schnell alle Unterlagen zusammengestellt die wir benötigen. Kommunikation mit der WESTAC (der technische Part von Baudirekt) war immer schnell und problemlos, denn den meisten Informationsaustausch konnten wir hier mit Telefon und Email machen. Von denen bekommt man dann auch die endgültigen Grundrisse und macht noch Änderungen bis es passt und der Bauantrag gestellt werden kann. Die Grundrisse sollten auf jeden Fall nochmal genau geprüft werden, da diese zum Teil von den ursprünglich mit dem Architekturbüro erstellten Plänen abweichen. War die Planung korrekt, haben wir von der WESTAC die nötigen Unterlagen vorausgefüllt bekommen und diese unterschrieben an die richtigen Stellen weiter geleitet (z.B. Bauamt, Stadtwerke für den Stromanschluss, …). Über genaue Ablaufzeiten kann ich hier leider keine Info geben, da wir enorme Verzögerungen mit der Grundstückserschließung hatten und wir in dieser Zeit keinen Bauantrag einreichen durften. Hinterher klappte aber alles problemlos mit unserem Bauantrag. Keine Beanstandungen. Es gab eine Nachfrage vom Bauamt wegen Schallschutz, aber auch diese Nachfrage habe ich einfach per Email an die WESTAC weiter gegeben und die haben sich um alles gekümmert. 
Alles an Schriftverkehr lief über uns, so dass man immer mitbekommen hat wenn irgendwas klemmte.
 

Ausschreibung

Als die Baugenehmigung endlich da war, konnte die Ausschreibungsphase bei Baudirekt beginnen. Von der Ausschreibung bis zum „geplanten“ Baubeginn sind ca. 3 Monate bei uns vergangen. Ärgerliche Wartezeit, aber kaum vermeidbar.
Nach der Ausschreibungsphase kam das Vergabegespräch. Bei dem Vergabegespräch wird ein Termin mit der Baudirekt/WESTAC gemacht, bei dem die Top 5 Ausschreibungsergebnisse zu jedem Gewerk präsentiert werden und man sich jeweils eine Handwerkerfirma aussuchen soll. Dieses Vergabegespräch konnten wir entweder in Vechta an der Hauptstelle machen, oder aber in Oberhausen. Wir haben Oberhausen gewählt, da es für uns näher war. Als Nachteil an dem Standort Oberhausen gilt zu erwähnen, dass wir keine Bewertungsbögen für die einzelnen Handwerker vorliegen hatten. Die sollen nur in Vechta liegen. Das war natürlich sehr schwach und wir mussten uns auf die Aussagen des Baudirekt Mitarbeiters verlassen, der angeblich vorher alle Bewertungen durchgesehen hat.
Erst bei diesem Gespräch erfährt man die tatsächlichen Kosten des Hauses und wer es macht. Hier zeigt sich dann auch der große Vor- bzw. Nachteil von Baudirekt, denn man hat KEINEN Festpreis. Die tatsächlichen Kosten belaufen sich entweder unter der veranschlagten Baukostenobergrenze (die Baukostenuntergrenze ist Augenwischerei), oder auch kräftig drüber. Bei uns war es so, dass zwischen Vertragsunterzeichnung und dem Vergabegespräch mehr als 1 Jahr vergangen ist. In diesem Jahr wurde der Basispreis für das Haus kräftig teurer, so dass diese Kosten sich auch bis in das Vergabegespräch gezogen haben. Somit wurde die Baukostenobergrenze bei uns erheblich überschritten. Baudirekt/WESTAC ist uns dann ein wenig entgegen gekommen, jedoch waren wir immer noch drüber. Das ist natürlich ein Risiko, dass man beachten muss. Hier gilt aber auch zu beachten, dass andere Baufirmen meist auch nur 1 Jahr Preisgarantie anbieten und da waren wir drüber. Hätte uns somit überall treffen können. (Ein Kollege baut auch mit Baudirekt und da wurde die Baukostenobergrenze unterschritten. Es ist also kein Regelzustand, dass diese überschritten wird). Wichtig zu beachten ist damit, dass die von Baudirekt angesetzten Preise für den Augenblick des Angebots gelten. Ändern sich bis zur Ausschreibung die Marktpreise, dann kann der Hauspreis plötzlich abweichen. Liegt man beim späteren Vergabegespräch dann über dieser Baukostenobergrenze, dann hat man die Möglichkeit vom Vertrag zurück zu treten, aber die Kosten für die bisher geleisteten Planungen müssen trotzdem gezahlt werden. Wie hoch diese einzelnen Kosten sind, steht bereits im Vertrag den man unterschreibt. Aber mal ganz ehrlich: Wer macht so kurz vor dem Start schon einen Rückzieher?
Ansonsten sind wir die Liste der Handwerker durchgegangen und haben nach einer Beratung dann meist auch den günstigsten Anbieter gewählt. 
 
Die Firmen kommen wohl aus einem Pool von Handwerkern die Baudirekt bekannt sind. Somit sind die meisten Firmen auch aus dem Raum Vechta, oder noch weiter von uns weg (Herne). Lokale Handwerker sind bei uns eher Mangelware, aber das soll uns ja mal nicht stören, wenn die Handwerker eine lange Anreise haben. Manchmal ist es eher von Vorteil, denn wenn die einmal da sind, arbeiten die zum Teil von morgens bis spät abends. Gehen danach ja eh nur in eine Pension zum Übernachten.
 

Bauphase

Nach dem Vergabegespräch sollte dann die Bauphase gestartet werden. Wir waren natürlich sehr ungeduldig, aber wie diese ablief könnt ihr in unserem Bautagebuch nachlesen. Die einzelnen Artikel können auch über die Navigation „Chronologie“ nacheinander durchgelesen werden.
 

Fazit

Insgesamt muss ich sagen, hat sich Baudirekt bisher so verhalten wie ich es erwartet habe. Die unterstützen einen an vielen Stellen, aber es bleibt genug Arbeit beim Bauherrn liegen. Dadurch, dass man sich als Bauherr mit jedem Handwerker einzeln einigen muss, braucht man mehr Zeit als bei einem zentralen Ansprechpartner wie ihn andere Generalübernehmer bieten. Es hat aber auch einen riesigen Vorteil direkt mit den Handwerkern zu sprechen und ein paar Punkte einfach mal schnell zu ändern, ohne dass gleich das Bauunternehmen dazwischen sitzt und alles kompliziert und teuer macht.
Die einzigen wirklichen Probleme hatten wir bisher nur mit der Finanzierung und die hat nix mit Baudirekt zu tun, sondern mit den öffentlichen Mitteln. Die Qualität des Baus ist bisher hervorragend. Nach bisheriger Erfahrung würde ich wohl wieder mit Baudirekt bauen.
 
Solltet ihr noch Fragen/Anmerkungen zu unseren Erfahrungen mit Baudirekt haben, die hier noch nicht beantwortet wurden, dann könnt ihr mich auch gerne anschreiben. Entweder mit einem Beitrag im Gästebuch, oder per eMail (webmaster(at)bauheinis.de).
 

  8 Responses to “Baudirekt”

  1. Hallo! Schön mal was über die Firma zu lesen da wir auch überlegen mit der Firma zu Bauen.
    Mich würde interessieren wie lange es gedauert hat von Anfang des Hausbaues bis ihr eingezogen seit.
    Und eine Frage hätte ich noch… wie ist das mit der Bezahlung? Muss man in Voraus bezahlen oder wird nach Leistung bezahlt.
    Würde mich über eine Antwort freuen.
    Lg Jessica

  2. Überlegt es Euch gut, wenn alles gut geht ist alles im Lot.
    Wenn aber nach der Fertigstellung und der Bauabnahme etwas zu reklamieren ist, dann steht Ihr alleine da und Westac und die Bauleitung sind nicht dafür zuständig gewesen. Die Bauleiter sind nur “ Organisatoren“ , nicht für die Einhaltung der vereinbarten Baumaßnahmen zuständig. Original Zitat des Bauleiters Herr B.

  3. Hallo!

    Wir überlegen auch mit Baudirekt zu bauen. Wie viel Prozent höher lag denn der endgültige Preis gegenüber der Baukostenobergrenze?

    Danke für den informativen Blog!

    Gruß, Jana

  4. Hallo, erstmal Lob für den tollen Blog. Meine Frage du hast geschrieben, wenn die Obergrenze nicht eingehalten wurde, kann man ja vom Vertrag zurück treten, und ich glaube man muss 10% der Kosten übernehmen. Wie ist das mit der Vorbehaltsklausel, wenn ein Grundstück gefunden wird, bleibt man dann auch auf Kosten sitzen weißt du das?

    • Hallo Jasmin, danke für das Lob. 🙂

      Baudirekt schlüsselt bei Vertragsabschluss verschiedene Positionen auf. Zuerst die Kalkulation des Gesamtpreises. Anschließend die genauen Kosten für die Baudirekt Dienstleistungen, welche im Gesamtpreis enthalten sind. Diese Dienstleistungen waren bei uns:
      Architektenhonorar
      Bauleiterhonorar
      BAUDIREKT-Organisationscourtage
      BAUDIREKT-Erfolgscourtage

      Anschließend gibt es dann noch Seiten in denen definiert wird, was diese einzelnen Dienstleistungen beinhalten und zu welchem Zeitpunkt welcher Anteil zu bezahlen ist.
      Die erste Zahlung war bei uns (soweit ich mich erinnere), nach Erstellung des Bauantrags (Architektenhonorar). Wenn es noch kein Grundstück gibt, dann kann auch kein Bauantrag erstellt werden, somit können hier auch keine Kosten anfallen (Aussage ohne Gewähr).

      Sollte es bis zur Ausschreibung gehen und anschließend die Baukostenobergrenze überschritten werden, dann müssen mindestens die Architektengebühr und die Organisationscourtage bezahlt werden. Tritt man nicht vom Vertrag zurück, dann ist auch die Erfolgscourtage fällig (laut Vertrag passt sich diese an die neue Baukostenobergrenze an).

      Ich hoffe das hilft dir etwas weiter.

      Gruß
      Christoph

      • Hallo das ist nicht ganz richtig!
        Bei mir wurde obwohl bislang nur das Beratungsgespräch statt fand und meine eigene Zeichnung verwendet wurde (noch kein Architekt oder Ausschreibung fanden statt) die Organisationscourtage verlangt, nachdem ich unter Grundstücksvorbehalt zurückgetreten bin! Der Berater versicherte mir damals, dass diese Gebühr erst fällig wird wenn es zu den besagten Ausschreibungen kommt und der Passus in dem diese Courtage erläutert wird wurde mir nicht vorgezeigt. Nun lasse ich meine Unterschrift auf dieser Seite prüfen denn ich kann zu 80% behaupten das dies nicht meine ist!
        Ich würde aufpassen wenn du mit denen einen Vertrag eingehst. Der Berater lebte sogar in der Gegend wo ich bauen wollte und dann stellte sich heraus, dass das Haus dort gar nicht gebaut werden konnte!

        • Bin kein Rechtsexperte, aber ich denke es kommt hier auf die separat zu verhandelnde „Vertragsvorbehaltserklärung“ an. Ohne die kann ich mir schon vorstellen, dass die versuchen einem die Organisationscourtage aufzudrücken.
          Tut mir euch leid für euch.

  5. Wir waren ja auch am Überlegen mit Baudirekt zu bauen… haben uns letztendlich für einen anderen Anbieter entschieden… ist aber trotzdem sehr schön zu lesen was uns ansonsten so erwartet hätte… einige andere Konkurrenten sind inzwischen ja inslovent oder liefern keine gute Arbeit ab…. Gut zu wissen, dass Baudirekt eine echte Alternative gewesen wäre…

    Bezüglich der Finanzierung ist dass wohl immer so… auch wenn die öffentlichen Darlehen endlos gute Zinsen bieten… so kosten sie auch eine Menge nerven, da alles wirklich genau nach Plan ablaufen muss.

 Leave a Reply

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>